Innere Medizin, Hämatologie, Onkologie, Transfusionsmedizin und hausärztliche Versorgung
Dr. med. Andreas Hauke
Arnold Weiss
Dr. med. Peter Florian Schwindt
Dr. med. Sonja Schäfer
in Praxisgemeinschaft mit
Dr. med. Irene Bux-Gewehr
In der Regel empfinden Patienten, die an einer Thrombose oder Lungenembolie erkranken, eine große Beunruhigung. Die Thrombose ist eine Gefäßerkrankung, bei der sich ein Blutgerinnsel (Thrombus) in einem Gefäß bildet. Obwohl Thrombosen in allen Gefäßen auftreten können, ist umgangssprachlich meist eine Thrombose in den tiefen Venen (Phlebothrombose) gemeint. Bei gesunden Menschen befinden sich gerinnungshemmende und gerinnungsfördernde Stoffe in einem genau aufeinander abgestimmten Gleichgewicht. Wenn sich unbemerkt kleinere Thromben bilden, sorgt der Körper normalerweise selbst dafür, dass sie abgebaut werden und keine Probleme verursachen. Es gibt jedoch verschiedene Faktoren, die auf dieses Gleichgewicht einwirken, eine verstärkte Neigung zur Blutgerinnung auslösen und damit die Gefahr von Thrombosen erhöhen können. Durch eine entsprechende Lebensführung und Beachtung von Vorsorgemaßnahmen kann allerdings das Auftreten solcher Thromboseereignisse in den allermeisten Fällen verhindert werden. Hierfür ist jedoch unabdingbar, dass sowohl Patient als auch ggf. die Familienangehörigen ausreichend ärztlich aufgeklärt sind.
Eine Thromboseneigung wird u a. durch eine Blutgerinnungsstörung verursacht, welche auf einer veränderten Zusammensetzung oder Funktion der Bluteiweiße (Gerinnungsfaktoren) beruht. Die derzeit hierfür bekannten und am häufigsten vererbten Ursachen sind die Faktor V/Leiden-Mutation und die Prothrombinmutation, seltener besteht ein Mangel an gerinnungshemmenden Eiweißen im Blut und zwar des Antithrombins, des Protein C oder des Protein S. Es gibt aber auch Erkrankungen, die eine Thromboseneigung begünstigen. Hierzu zählen rheumatische Erkrankungen wie das Antiphospholipidsyndrom, Veränderungen des blutbildenden Systems, bösartige Erkrankungen, Arzneimittelnebenwirkungen und schwere internistische Erkrankungen. Diese Veranlagungen können in unserer Praxis meist durch eine einfache Blutentnahme nachgewiesen bzw. ausgeschlossen werden.
Das tatsächliche Auftreten eines Thromboseereignisses ist meist an weitere erworbene Risikofaktoren wie Immobilisation (Bettlägerigkeit, Langstreckenflug, Operation), Einnahme von Kontrazeptiva („Pille“) oder einer Hormonersatztherapie in den Wechseljahren, Schwangerschaft, Übergewicht oder das Vorhandensein von Krampfadern gekoppelt. In der Schwangerschaft besteht bei einer Thrombophilie ein erhöhtes Risiko für Mutter und Kind. So ist beispielsweise bei 25% der Schwangeren mit Schwangerschaftskomplikationen wie Früh- und Fehlgeburten, HELLP-Syndrom, Präeklampsie oder mütterliche Thrombosen eine solche Veranlagung nachweisbar.
Allgemeine Maßnahmen zur Verhinderung einer Thrombose umfassen regelmäßige Bewegung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr bei langen Reisen, das Tragen von Kompressionsstrümpfen, frühzeitige Mobilisation nach Operationen, Verabreichung von gerinnungshemmenden Mitteln (z. B. Heparinspritzen), Vermeidung von Rauchen und Übergewicht.
Die Zusammenhänge einer Thromboseneigung und -entstehung sind also weitaus komplexer als oftmals in der Laienpresse dargestellt. Erfreulicherweise zeigen jedoch offizielle Statistiken, sicher auch infolge Ergreifen oben aufgeführter Maßnahmen, einen Rückgang dieser Erkrankungen auf.