Innere Medizin, Hämatologie, Onkologie, Transfusionsmedizin und hausärztliche Versorgung

Dr. med. Andreas Hauke
Arnold Weiss
Dr. med. Peter Florian Schwindt
Dr. med. Sonja Schäfer

in Praxisgemeinschaft mit

Dr. med. Irene Bux-Gewehr

Neue Behandlungsoption bei fortgeschrittenem schwarzem Hautkrebs

Neue Behandlungsoption bei fortgeschrittenem schwarzem Hautkrebs

Monoklonaler Antikörper verlängert Überlebenszeit

22. August 2011 – Seit kurzem ist für erwachsene Patienten mit schwarzem Hautkrebs im fortgeschrittenen Stadium ein neues Medikament zugelassen. Dessen Wirkstoff Ipilimumab mobilisiert das körpereigene Immunsystem gegen den Krebs. In einer klinischen Studie überlebten mit Ipilimumab behandelte Patienten im Mittel länger als Patienten, die sich einer Vergleichstherapie unterzogen hatten.

Schwarzer Hautkrebs – rund 14.000 Menschen in Deutschland werden pro Jahr mit dieser Diagnose konfrontiert . Die meisten befinden sich dann noch in einem frühen Erkrankungsstadium, sodass der Krebs chirurgisch entfernt werden kann. Bei den anderen hat er bereits gestreut und Lymphknoten befallen oder sogar schon Tochtergeschwülste in Lunge, Leber, Gehirn oder Knochen gebildet. Mediziner sprechen dann von einem metastasierten malignen Melanom.

Patienten mit diesem Krankheitsbild haben eine schlechte Prognose.  In dem am weitesten fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung beträgt die mittlere Lebenserwartung nur sechs bis neun Monate2. Daran konnte auch die bislang übliche medikamentöse Behandlung mit Chemo- und Immuntherapeutika kaum etwas ändern2. Nach den Ergebnissen einer klinischen Studie dürfen Ärzte und Patienten nun hoffen, dass sich mit Ipilimumab die Überlebenszeit verlängern lässt.

Zulassungsstudie mit 676 Patienten*
An der Zulassungsstudie nahmen 676 Patienten mit einem malignen Melanom im fortgeschrittenen Stadium teil. Bei ihnen ließ sich das Melanom nicht mehr sicher operativ entfernen oder es hatte schon Metastasen gebildet. Als Behandlung erhielten die Patienten entweder Ipilimumab allein oder in Kombination mit einem Immuntherapeutikum oder eine Ipilimumab-freie Vergleichstherapie.

Die besten Ergebnisse wurden bei Patienten beobachtet, die Ipilimumab allein erhalten hatten. Das Immuntherapeutikum verlängerte die durchschnittliche (mediane) Überlebensdauer gegenüber der  Vergleichstherapie statistisch signifikant (10,1 gegenüber 6,4 Monate). Nach zwölf beziehungsweise 24 Monaten waren in der Ipilimumab-Gruppe noch fast doppelt so viele Patienten am Leben, wie unter der Vergleichstherapie: 45,6 Prozent gegenüber 25,3 Prozent beziehungsweise 23,5 Prozent gegenüber 13,7 Prozent. Mit anderen Therapieschemata wurden in klinischen Studien Ein-Jahres-Überlebensraten zwischen 22 und 38 Prozent beobachtet.

Steckbrief Ipilimumab
Ipilimumab ist zugelassen für Patienten mit malignem Melanom in einem fortgeschrittenen Stadium, die zuvor bereits eine andere Therapie erhalten haben. Der Antikörper lockert eine natürliche Bremse des Immunsystems. Dadurch werden körpereigene Abwehrreaktionen gegen den Krebs verstärkt. Die Behandlung umfasst üblicherweise einen Zyklus mit vier Infusionen, die im Abstand von jeweils drei Wochen verabreicht werden. Nebenwirkungen sind häufig und können sehr schwerwiegend sein, wie etwa immunvermittelte Durchfälle und Darmentzündungen.  Patienten sollten über das Nebenwirkungsprofil Bescheid wissen, und gegebenenfalls rasch einen Arzt verständigen.

*Hodi S et al. Improved Survival with Ipilimumab in Patients with Metastatic Melanoma. N Engl J Med 2010;363:711-23